Wofür steht Grüne Politik heute und in der Zukunft? Mit dieser Frage im Gepäck machte ich mich am 29. März auf den Weg nach Berlin, um auf dem zweitägigen Grundstatzkonvent Antworten zu finden.

Anlässlich des 40. Geburtstags der Partei, beginnt die Veranstaltung mit einer Feierstunde. Bundesgeschäftsführer Michael Kellner erinnert in seiner Eröffnungsrede an das erste grüne Grundsatzprogramm aus dem Jahr 1980. Passend dazu gibt es einen Film, indem die Anfangsjahre der Grünen Partei thematisiert werden. Viele Gründungsmitglieder kommen darin zu Wort.

Anschließend betreten die Parteivorsitzenden Robert Habeck und Annalena Baerbock die Bühne und stellen den Zwischenbericht zum Grundsatzprogramm 2020 vor. „Im Mittelpunkt unserer Politik steht der Mensch mit seiner Würde und Freiheit“. Die rund 1000 Mitglieder vor Ort applaudieren.

Aber es gibt auch kritische Töne. Die Journalistin Ferda Ataman fordert im Programmentwurf eine Schwerpunktsetzung des Themas Umgang mit Rassismus. Luisa Neubauer, die deutsche Initiatorin von Fridays for Future, wünscht sich radikalere Maßnahmen gegen den Klimawandel. Großer Jubel brandet auf, viele Grüne erheben sich von ihren Plätzen.

Am nächsten Tag können die anwesenden Mitglieder selber Anliegen einbringen, welche sie im Grundsatzprogramm wiederfinden möchten. In dutzenden kleinen Gesprächsrunden wird diskutiert. Jeder kann mitreden und seine Ideen für eine grüne Zukunftspolitik erläutern.

Anfangs etwas chaotisch, entpuppt sich das Konzept schnell als erfrischend innovativ. Von „Wie können wir die Welt ernähren?“ bis „Sollten Drogen in Deutschland legalisiert werden?“ ist die Spannbreite der Diskussionen sehr groß. Neigt sich eine Diskussion dem Ende zu, steht man auf und geht zur Nächsten. Die erarbeiteten Konzepte sollen in das Grundsatzprogramm mit einfließen. Man darf gespannt sein.

Wofür steht Grüne Politik heute und in der Zukunft? Ich konnte viele Ideen selber in die Debatte einbringen. Dass ein Grundsatzprogramm so basisdemokratisch entwickelt wird, hatte ich nicht erwartet. Ich war positiv überrascht.